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"Der Fortschritt kommt schnell"Strassen taugen in dieser Welt aus Wasser, Mangroven, Morast und Land nicht viel. Menschen haben quer zu den Hauptarmen des Flusses, dem Oberen und dem Unteren Mekong, Kanäle ausgestochen, auf denen Boote praktisch jeden Winkel des äussersten Südens und Westens von Vietnam erreichen können, von Ho Chi Minh City (beziehungsweise Saigon, wie die Südvietnamesen wieder sagen) bis nach Ha Tien an der kambodschanischen Grenze, am Golf von Thailand.
Alle Boote, auch
die grossen Lastkähne, tragen am Bug ein Gesicht, schwarz aufgemalte Augen
auf weissem Grund, von roter Farbe eingerahmt. Mit diesen hypnotisierenden Augen,
erklärt Phuc, pflügen die Schiffe auch nachts sicher durch die Wasser.
Und der Verkehr hat stark zugenommen; Doi Moi, die pragmatische marktwirtschaftliche
Öffnung, von den kommunistischen Kadern vor einem Dutzend Jahren verkündet,
äussert sich auf dem Mekong durch zunehmenden Verkehr. "Der Fortschritt
kommt schnell", erklärt Phuc, "mit dem Erlös der ersten überzähligen
Säcke Reis wird ein Radio angeschafft, dann ein Farbfernseher. Dann ein Motor
für das Boot. Am billigsten sind die chinesischen, sie kosten nur 150 Dollar.
Aber sie machen den ohrenbetäubendsten Krach, weil der Auspuff eingespart
wurde."
Die
Garnelen (oder Prawns) haben im Krieg eine denkwürdige Rolle gespielt. Weil
die südvietnamesischen und amerikanischen Truppen im dichtbevölkerten
und überwachsenen, sumpfigen Terrain überfordert waren, setzten sie
grossflächig Herbizide ein. Als die Blätter der Mangroven abfielen,
verlor zwar der Vietcong einen Teil seiner Deckung. Die abgefallenen Blätter
jedoch wurden im Wasser zu Biomasse, dank der sich die Crevetten und Fische vermehrten,
so dass die Guerillas nicht nur genügend zu essen hatten, sondern den Überschuss
zu Markte tragen und damit Waffen kaufen konnten. Erinnerungen an den Vietnamkrieg
sind überall im Mekong-Delta wach. Im Morast versteckte Kommandoposten sind
erhalten geblieben und durch kleine Museen ergänzt worden, die vom genialen
Einfallsreichtum des Vietcong zeugen, der einem technisch hoch überlegenen
Gegner gegenüberstand. Dieselbe Kreativität entdecken wir in einer urtümlich
anmutenden Zuckerfabrik, in der Getriebe von amerikanischen Militärcamions
via Ledertransmissionsriemen mit einem Tankmotor verbunden sind.
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Verbotene HahnenkämpfeAusflüge zu Fuss gewähren einen Blick hinter
die aufgeschütteten Deiche der zahllosen Inseln. Man kann gut auf den Lehmmauern
laufen, nur sind mancherorts die Kanäle auf simplen Bambusstangen zu überqueren,
ein Akt der Balance. Die Gehöfte reihen sich in kurzen Abständen aneinander.
Das Leben verläuft hier geruhsamer, weil der motorisierte Verkehr fehlt.
Die Menschen sind fremde Wanderer nicht gewohnt. Dennoch begegnen sie uns mit
einer beeindruckenden, selbstbewussten und ungestellten Freundlichkeit. Sogar
einen der verbotenen Hahnenkämpfe dürfen wir photographieren, nachdem
wir versichert haben, die Bilder nicht der Polizei auszuhändigen. Es wird
um die astronomische Summe von 20 Dollar gewettet, die der Besitzer des siegreichen
Hahnes einstecken kann. | ... |
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